Der Mann im Rollstuhl
Blog vom 11. März 2007.
Wenn ich mit dem Fahrrad in die Stadt radle, nehme ich meistens die gleiche Strecke und komme an einem Alters- und Pflegeheim vorbei.
Auf dem kleinen Platz vor dem Haupteingang sitzt immer ein Mann im Rollstuhl. Bei jedem Wetter. Er sitzt und beobachtet. Die Autos. Die Fussgänger. Die Radfahrer. Also auch mich.
Jedes Mal lächelt er mich an und winkt. Und ich lächle, winke zurück, fahre weiter.
Erinnert er sich an mich? Oder winkt er jedem?
Eigentlich ist es ja auch egal. Er scheint glücklich zu sein. Aber kann ich das sicher wissen?
Ich habe mir schon oft überlegt, ob ich einfach mal anhalten soll, um ein bisschen mit ihm zu reden. Warum eigentlich nicht? Warum reden wir nicht öfters mit fremden Menschen? Einfach so. Wer weiss, es könnte ganz bereichernd sein.
Welche Geschichte hätte der Mann wohl zu erzählen? Vielleicht hatte er ein ganz spannendes Leben, bevor er auf den Rollstuhl angewiesen war. Vielleicht ist sein Leben auch jetzt noch spannend.
Ich werde es wohl nie erfahren. Es sei denn, ich halte eines Tages wirklich an und rede mit ihm.


2006–2008 © by Koni Barry