La Cenerentola
Blog vom 4. März 2007.
Gestern Abend war ich rund drei Stunden kultur-inhaftiert. Man hatte mich unter völlig falschen Versprechungen ins Staatstheater Wiesbaden gelockt.
Ich war der Ansicht gewesen, bei “La Centrerlola” ... äh, Moment ... “La Cennentollolla” ... äh ... also schön langsam, nochmals von vorne ... tief durchatmen!
Ich war der Ansicht gewesen, bei “La Cenerentola” (Ah! Plötzlich geht’s!) handle es sich um ein Spaghetti-Gelage mit der italienischen Fussball-Nationalmannschaft und hatte mich schon auf stramme Waden an einer feinen Sauce Bolognese gefreut. Stattdessen gab’s eine kalorienarme “Opera buffa al dente” von Gioacchino Rossini.
Es war dann auch ohne knackige Fussballer ein Abend voller buffa-buffa.
Gibt es eigentlich eine Oper mit Fussballern?
Es war äusserst faszinierend, drei Stunden lang vom 2. Rang auf die stimmgewaltige Sängerbrigade und ein Heer von wohlkoordinierten Statisten blicken zu dürfen, auch wenn mein eloquenter Sitznachbar ganz fachmännisch meinte, das alles müsste eigentlich viel schneller gespielt werden.
Warum gibt es eigentlich keine Fernbedienung für Opern?
Zumindest gab es Untertitel, also eigentlich Übertitel, wenn auch leider nicht ganz fehlerfreie. Aber über solche Kleinigkeiten kann man gelassen hinweglesen, da erspäht man dann schon lieber im üppig ausgestatteten Bühnenbild einen als Weingott verkleideten mediterran wirkenden deutschen Statisten nicht-griechischer Abstammung. Wo Rosen sich um nackte Männerflanken ranken.
Da wären wir ja schon fast wieder beim Fussball.
Buffa-buffa eben!
Buffa-buffa war auch die Coiffure der Premierengäste. Man sah doch die eine oder andere Dame mit hochtoupierter Steckdosenfrisur, überhaupt nicht umweltverträglich und nur geeignet für kratzfeste Kopfkissen.
An der Premierenfeier wurden Reden geschwungen, deren Zuckergehalt für Diabetiker nicht ganz unbedenklich war. Es kam jedoch zu keinen Zwischenfällen. Leider wurde niemand unterbrochen.
Es war ein schöner Abend. Ich danke für die Einladung.
Buffa-buffa!


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