Mission 85-K32 APX
Blog vom 15. Dezember 2006.
Nun habe ich ihn also auch gesehen, den neuen James-Bond-Film: CASINO ROYALE.
Beeindruckend in vieler Hinsicht. Wobei es im Film ja alles andere als royal zu und her geht. Schon eher brachial. CASINO BRACHIALE. Hmmm, lässt sich nicht so gut vermarkten.
Er ist kantig, der neue blonde Bond. Für seine blauen Augen braucht er eine eigene Lizenz zum Totgucken. Daniel Craig teilt aus und steckt ein, wobei das durchaus zweideutig verstanden werden kann.
Daniel Craig ist Bond. Durch und durch. Von der allwissenden Weltpresse vor Monaten lächerlich gemacht, wird er jetzt von derselben in den Himmel gelobt und mit schönen Worten eingelullt. Vielleicht sollte man diese “Verbrecher” mal jagen.
Faszinierend, dass die Produzenten es nun doch geschafft haben, der längsten Filmserie der Welt neues Leben einzuhauchen. Und wie!
Der ganze technische Schnickschnack der früheren Filme, und die digitalen Peinlichkeiten der letzten Filme im Besonderen, wurden einfach weggelassen. Dafür bevölkern jetzt wieder Schauspieler die Szenerie. Eine erlesene Garde.
Und Judi Dench! Ich liebe diese Frau. Egal in welcher Rolle, sie agiert einfach göttlich. Man könnte sie sogar als Kartoffelsack verkleidet in eine Ecke stellen, und sie würde noch alle an die Wand spielen!
Der Film verströmt trotz der vielen Action-Szenen auf gewisse Weise den Charme der ganz alten Connery-Filme und erscheint irgendwie zeitlos. Natürlich kracht und scheppert es oft im Film. Menschen, mit oder ohne Kopf, fliegen durch die Luft, Autos sowieso. Häuser werden versenkt, und Frauen, das ist tragisch, lässt sich aber nicht vermeiden.
Es war laut gestern Nachmittag im Kino. Nachmittagsvorstellungen sind immer ganz angenehm, es hat kaum Leute. Wobei ... den Film für nur sechs Besucher vorzuführen, ist eine ziemliche Energieverschwendung und in Zeiten der Klimakatastrophe eigentlich kaum noch zu verantworten. Dafür wurde im Kino an der Heizung gespart. Nach mehr als zwei Stunden Bond-Spektakel war ich dann im Kinosessel auf die Temperatur seines Wodka-Martinis abgekühlt.
Nach so einem James-Bond-Film fühle ich mich immer voller Power und habe auch Lust, mich durchs Leben zu boxen. Adrenalin wird eimerweise ausgeschüttet, mein Testosteron erreicht Spitzenwerte.
Die ganze Welt um mich herum erscheint plötzlich so geheimnisvoll und bedrohlich.
Jeder ist verdächtig, jeder könnte ein Geheimagent sein. Sind wir nicht alle Spione?
Die Frau neben mir in der Strassenbahn. Ist der Busen echt? Oder sind das zwei Sprengladungen mit hochexplosivem Trinitrotoluol? Und ist das eine Zündschnur oder bloss eine billige Kette, die in ihrem Dekolleté hängt? Was macht sie mit der Zigarette? Das muss ich sehr genau beobachten!
Der Mann vor mir am Postschalter. Warum braucht er so lange? Will er wirklich nur Rechnungen bezahlen? Oder übermittelt er chiffrierte Botschaften, als harmlose Überweisungen getarnt, an seinen Bruder in Namibia? Wie stabil ist die Regierung in Windhoek? Sind Angelina Jolie und Brad Pitt bereits wieder ausgereist? Wohin?
Die junge Dame, die so aufgeregt telefoniert. Spricht sie wirklich mit ihrer Mutter? Oder übermittelt sie extrem komplexe Baupläne für ein Kernkraftwerk im Iran?
Der seriös wirkende Mann mit dem Aktenkoffer. Befördert er eigentlich nur Buchhaltungsunterlagen für seine Firma? Oder schmuggelt er äusserst brisante Dokumente nach Mailand, die das wahre Alter von Donatella Versace verraten?
Die Frau meines Metzgers. Warum braucht sie immer so lange an der Kasse? Tippt sie wirklich nur die Preise ein? Oder steuert sie damit die amerikanische Atom-U-Boot-Flotte?
Mein Name ist Barry, Koni Barry.
Ich bin ein Agent des IGSN (International Gay Spy Network) mit der Lizenz zum Perücken tragen.
Meine Mission: 85-K32 APX, Codename “FUCCI”.
Oberstes Ziel: “Ausrottung der Mode-Diktatur”.
Dieser Blog zerstört sich selbst, und zwar genau jetzt:
Klzzsmkiflpfewefsdsdeo ... pfff.


2006–2008 © by Koni Barry